Winter
























 

"Sibirisches Meer"

 

"Brunnen der Erde" oder "Perle Sibiriens" wird der Baikalsee liebevoll genannt. Wenn man ihn einmal gesehen hat, versteht man auch die Menschen, die diese Ausdrücke geprägt haben. Der Baikal ist nicht geizig mit landschaftlichen, tierischen und klimatischen Superlativen. Ich selbst habe ihn bereits im Herbst, Winter und im Frühjahr gesehen. Der nachfolgende Bericht ist eine Mischung aus eigenen Erfahrungen und zusammengetragenen Informationen.

 

Zahlen und Fakten
Der Baikalsee liegt ca. 5200 km östlich Moskaus und ca. 200 km nördlich der russisch-mongolischen Grenze. Superlativ sind seine Ausmaße. Der Baikal ist 636 km lang, zwischen 27 und 80 km breit und vor allem 1637 m tief. Damit ist er der tiefste See der Welt. Die Oberfläche breitet sich über 315.000 m² aus. Im Verhältnis gesehen, ist das tausendmal größer als der uns bekannte Bodensee. Da der See mit Süßwasser gefüllt ist, ist er das größte Trinkwasserreservoir der Erde. Ein weiterer Vergleich soll die Dimension des Baikals aufs Neue verdeutlichen. Würde der Baikalsee auslaufen, würde das gesamte Festland der Erde 20 cm hoch überschwemmt werden. Kein Wunder also, daß auf 336 Zuflüsse nur ein einziger Abfluß kommt. Der Abfluß ist die Angara und fließt nordwärts ins Polarmeer. Der Baikal ist 25 Millionen Jahre alt und wird jedes Jahr ein bißchen breiter und tiefer. Aufgrung der Verschiebung der dort befindlichen zwei Kontinentalplatten, kommt es jährlich zu ca. 2000 Erdstößen. Statistisch wird die Region alle einhundert Jahre von einem Erdbeben schwerer Größenordnung erschüttert. Die Hochhäuser im nahegelegenen Irkutsk sind aus genau diesem Grund alle erdbebensicher gebaut.
Unsicher dagegen ist die Herkunft des Namens "Baikal". Burjatisch interpretiert könnte der Name "Baikal" erhabendste Schöpfung bedeuten. Die jakutische Übersetzung ist ganz nüchtern und meint "Großes Meer. In einer chinesischen Variante hieße "Baikal" "Nördliches Meer. Am wahrscheinlichsten gilt heute aber die Turkfassung des Wortes "Baikal"- "Bai" würde hierbei reich und "Kal" See heißen.

Menschen
Genauso verschieden wie die Möglichkeit der Übersetztung setzt sich auch die Bevölkerung in der Baikalregion zusammen. Die Urbevölkerung setzt sich aus Abstammungen mongolischer Volksgruppen zusammen. Es sind dies hauptsächlich Burjaten, Jakuten und Ewnken. Im 17. Jahrhundert kamen die Russen hinzu. Die flächendeckende Besiedlung erfolgte aber erst mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts.
Überall am Baikal kann man die Traditionen und die Bräuche der Ureinwohner erleben. Sie waren und sind Anhänger von Burkhan, dem Gott der Burjaten. An Bäumen sieht man Papierstreifen wehen. Einst schrieb man Gebete auf solche Papiere und band sie dann an Baumäste, damit der Wind die Gebete weitertragen sollte. Ein anderer Brauch ist es, von jeder Flasche Wodka einen kleinen Schluck dem Erdboden oder dem Baikal zu opfern.

Wetter
Wetterfest mußten die Menschen in Sibirien immer gewesen sein. Die beiden Extremtemperaturen im Sommer bzw. im Winter liegen stellenweise bis zu 100° auseinander. Aber auch in klimatischer Sicht ist der Baikal ein Sonderfall. Die Temperatur ist in der Baikalregion wesentlich milder als im restlichen Sibirien. Wie ein Meer speichert der See im Sommer Wärme, die er im Winter wieder abgibt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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-18 -15 -5 9 11 17 21 19 12 3 -7 -16
 minimale Temperatur    maximale Temperatur    durchschnittliche Temperatur

Trotzdem friert der Baikal im Winter auf der ganzen Oberfläche komplett zu. Wenn der See beginnt zuzufrieren, dann kann die Dicke des Eises täglich um 5 cm zunehmen. Ab etwa Anfang Januar besteht die Seeoberfläche aus einer 70 bis 110 cm dicken Eisschicht. Auf dem Eis entsteht rasch ein geregelter Straßenverkehr mit Parkverbotsschildern und markierten Fahrbahnen. Das Eis ist 3 Monate völlig sicher, bevor es im März wieder wärmer und das Eis wieder dünner wird und man den ersten Sonnenbrand bekommt. Am Baikalsee hat man durschschnittlich mehr Sonnentage als am Schwarzen Meer. Das liegt daran, daß der See das ganze Jahr hindurch eine so niedrige Temperatur hat, daß kaum Wasser verdunsten kann. Wolken, die vom Festland her kommen, regnen sich an den Bergen des Baikalufers ab und der Himmel bleibt fast immer wolkenlos blau.

Flora und Fauna
Kein Wunder also, daß sich hier soviele Tiere wohlfühlen. 2500 Tier- und Pflanzenarten gibt es hier. Über die Hälfte davon leben auch nur hier am oder im See. Das wohl bekannteste "Baikaltier" ist die sogenannte "Nerpa", die Baikalrobbe. Wahrscheinlich kam die Robbe irgendwann über den Inissej und die Angara vom Nordpolarmeer in den Baikalsee. Wie sich die Robbe den Bedingungen am Baikal, inbesondere die Umstellung von Salz- auf Süßwasser, angepaßt hat, ist bis heute ein Rätsel. Heute werden die Robben etwa 50 Jahre alt, 1,8 m lang und ungefähr 50kg schwer. Die Robben überwintern im Packeis des Baikals in der Nähe von warmen Quellen, durch die sie einen Eingang zu ihrem Jagdgebiet, dem See, haben, da diese auch bei kältesten Minusgraden nie zufrieren. Der aber für den Menschen wichtigste Seebewohner ist der Omul. Ein lachsähnlicher Speisefisch, der am ganzen Baikal und seiner Region verzehrt wird. Ganz egal ob im Räuchergrill am Hafen oder im feinen Intourist-Hotel, immer gibt es Omul. Ihn gibt es im Ganzen, als Omul-Schaschlick oder in der Suppe. Als wir im Winter die Eisfischer beobachten konnten, sahen wir, wie der Tagesfang geteilt wurde. Auf eine Seite wurde der Omul gelegt und auf die andere Seite der Rest, welcher den Hunden zum Fraß gegeben wurde. Omul gibt es nur in Rußland zu kaufen und dort hauptsächlich in der Region des Baikals. Der Golomjanka ist ein anderer interessanter Fisch. Er besteht zu über 50% aus Fett. Aus gutem Grund lebt er in kühler Tiefe des Sees, denn läge er am Ufer er würde zerschmelzen wie Butter. Für die außergewöhnliche Klarkeit und Sauberkeit des Baikals ist ein ganz kleines Tier verantwortlich. Es ist ein Krebs names Epischuera, der auch nur im Baikal leben kann. Der Krebs ist nur einige Millimeter bis zu 2 cm groß und filtriert das Wasser unaufhörlich. Das Wasser wird dadurch so klar, daß man bei ruhendem Zustand ü,ber 40 m tief in das Wasser hineinsehen kann. Auch im Winter konnten wir durch das Eis hindurch Steine erkennen, welche 20 m unter uns lagen.

Interessante Orte der Baikalregion
Nicht nur ungewöhnliche Tiere, sondern auch hoch interessante Orte und Stellen gibt es am Baikal reichlich. Beispielsweise ist Listvjanka der touristisch bekannteste Ort am See. Das Dorf zieht sich 5 km am Baikalufer entlang bis zu der Stelle, an welcher die Angara den Baikalsee verläßt. Das geschieht mit so hoher Fließgeschwindigkeit, daß diese Stelle, selbst bei niedrigsten Temperaturen, nicht gefrieren kann. Auch das ist wieder einmalig auf der Welt. In Listvjanka wurden 1900 die beiden Baikalfähren "Baikal" und "Angara", welche in Schottland gebaut und nach Rußland transportiert wurden, wieder zusammengebaut. Im Ort steht die berühmte russisch-orthodoxe Holzkirche St. Nikolai. Auf der anderen Angaraseite liegt Port Baikal. Es ist ein Ort, der früher einmal viel wichtiger war als er es heute ist. Port Baikal war ein wichtiger Bahnhof entlang der alten Streckenführung der Transsibirischen Eisenbahn. Nachdem in den 60er Jahren das Wasserkraftwerk in Irkusk entstand und daraufhin die Angara angestaut wurde und sich der Wassespiegel am Baikalsee um einen Meter anhob, wurde die alte Transsib überflutet und Port Baikal abgeschnitten und der Ort fiel in die Bedeutungslosigkeit. Wenn man aber in dem Ort steht und sich umsieht, erkennt man trotzdem die einstige Wichtigkeit des Ortes. Jedoch ist der Eindruck des Zerfalls bedauerlicherweise deutlicher. Sehr viel schöner ist die Olchon-Insel, die größte von 27 Inseln im Baikalsee. Olchon bedeutet Wäldchen uns somit gibt es auf ihr stellenweise Wald. An anderer Stelle hingegen fährt man über staubende Sandstrassen, wie durch die weiteste Steppe. Die Insel endet im Nordosten in einer schroffen Steilküste. Nahe der Hauptstadt Chusir reicht der Schamanenfels in den Baikal hinein. Der Fels ist ein heiliger Ort der Schamanen, der einst nur von Medizinmännern betreten werden durfte. Auch heute ist es nur geduldet, daß Touristen und Frauen den Felsen durch eine Höhle durchqueren dürfen. Es ist auch empfohlen vom Schamanenstein kein Steinchen mitzunehmen, da das die Götter bö,se stimmt. Die Insel ist nur im Sommer mit der Fähre oder im Winter über das Eis erreichbar. In den Übergangszeiten ist die Insel nicht erreichbar. Reizvoll fanden wir die Gegebenheit, daß es nur jeden zweiten Tag Strom gab. Weiter nördlich und an der Ostseite des Sees liegen die Uskan`i-Inseln. Zu dem Archipel gehören ein 10 km² große und drei kleinere Inseln. Die Inseln sind dadurch bekannt, daß man in ihrer Nähe die höchste Wahrscheinlichkeit hat, die Baikalrobben zu sehen. Ebenfalls aus natureller Sicht ist der Baguziner Naturpark ein Erlebnis. 1916 wurde er als erster Park seiner Art in Rußland gegründet. Er hat eine Fläche von 375.000 Hektar und beherbergt 10.000 geschützte Tiere. Darunter 250 Braunbären. Der Park ist ausschließlich mit dem Boot erreichbar und für Touristen bedingt zugänglich.
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